Johnny

Johnny am 17.8.2018
Johnny am 17.8.2018

„Jonny“ stammt von einem Bauernhof in der Schweiz. Schon als Kind wurde er sexuell missbraucht, lebte aber lange bei seinen Eltern. Als seine Mutter vor zwei Jahren starb, erhoben die Gerichte schwere Vorwürfe gegen ihn. So packte er ein paar Sachen und machte sich zu Fuß auf nach Tirol, wo er Verwandte in Innsbruck und Hopfgarten hatte.

Seit gut einem Jahr lebt er nun auf der Straße.

«Das war neu und heftig» erklärt der 55-Jährige

Vor allem die Erfahrung, dass die Obdachlosen sich auch untereinander Opfer aussuchen, einander beschuldigen oder bestehlen. 

«Wer wie ich ohne Alkohol oder Suchmittel lebt, leidet, weil da oft Gewalt herrscht»

Dass nun das Obdachlosenheim in Amras geschlossen wurde, bedauert er und vermisst die die menschliche Ansprache. Jetzt wandert er täglich zwei Stunden von den Essenausgaben der Stadt an einen geheimen Ort am Rand. 

«In Innsbruck darf man ja nirgends schlafen»

Für sich und die anderen Obdachlosen wünscht er sich

«Etwas Respekt der anderen, Schließfächer für die Wertsachen und ein paar öffentliche WC’s»

Stattdessen erlebt er viel Angst vor den Obdachlosen – da fehlt dann rasch der Austausch und der Anschluss an andere Leute, um da wieder rauszukommen.

Wir vermissen Johnny. Jeden Samstag kam er zu unserer Lebensmittelverteilung bei der Pfarre St. Paulus.

«Das ist eine sehr, sehr gute Sache! Ich hätte sonst nichts gehabt»

Johnny hat sich nun auf den Weg gemacht. Er wird jahrelang unterwegs sein. Immer zu Fuß. 

Wünschen würde er sich einen Esel, der ihn begleitet und der ihm die Last des Tragens abnimmt.

Ziel ist sein Paradies, das er in seinem Kopf und in seinem Herzen trägt. Dort möchte er seinen Frieden finden.

Wir wünschen ihm von ganzem Herzen das Beste!

3 Gedanken zu „Johnny“

  1. Peter Schafferer

    Wer mit einer guten Kindheit ins Leben startete, kann sich schwer vorstellen, welche Rucksack andere durchs Leben tragen…

  2. Ein Lebenszeichen von Johnny ehemaliger Obdachloser in Innsbruck 2017 – 2018. Lieber Gabriel und Peter. Ich habe Euch in Innsbruck nicht vergessen wie Ihr mir jeden Tag am Samstag mir bei St. Paulus Pfarrei mir Geholfen habt und ich nichts mehr hatte als Obdachloser. In Innsbruck war ich ja 2 Jahre Obdachlos gewessen. Die Obdachlosigkeit hatte mir sehr beeindruckende Spuren hinterlassen. Dennoch konnte ich als Obdachloser Mensch sehr viel noch dazulernen in meinem Leben. Wir bleiben in Verbindung und ich habe Euch ganz bestimmt nicht vergessen, ich Denke jeden Tag an Euch und möchte mich auch bei Euch bedanken dafür. Ihr sind so gut zu mir gewessen und ich werde Euch nie vergessen.
    Infolge Covid19 Massnahnen hat auch mein Leben Kolosal nochmals geändert. Seit 2 Jahren bin ich schon Weg von Innsbruck wo immer noch mir sehr viel bedeutet. Ich vermiesse Euch alle so sehr. Ich habe seit 2 Jahren ein neues zu Hause Gefunden zwar in den Bergen aber wenigstens ein Warnes Dach über den Kopf. Irgendwann wenn die Covid19 Zeit vorbei ist komme ich Euch mal besuchen aber nicht mehr als Obdachloser Mensch. Über meine Erlebnisse als Obdaxhloser Mensch möchte ich Irgendwann ein Buch Schreiben darüber und wenn es geht auch einen Film drehen über meine Biografie über mein Leben sowie wie ich als Obdachloser 2 Jahre gelebt habe. Meine Füsse tragen mich immer noch aber nicht mehr als Obdachloser Mensch. Überall wenn ich ein Obdachloser Mensch sehe kommt es mir wieder im Sinn was ich 2 Jahre durchgemacht hatte. Dennoch ermuntere ich alle Obdachlosen nicht aufzugeben Irgendwann geht für alle ein Positives Fenster wieder auf. Wenn ich einen Obdachlosen Menschen sehe versuche ich als Hobby Streetworker so gut ich kann zu helfen und bringe Sie an eine Anlaufstelle damit dass Ihnen so gut es geht geholfen wird. In diesem Sinne machts gut wir bleiben in Verbindung und wir uns mal wieder wenn die Covid19 Zeit durch ist. MHG Johnny aus den Bergen

  3. Lieber Johnny, wir freuen uns sehr über Dein Lebenszeichen und dass es Dir gut geht!!! Vielleicht können wir Dich in Deinen Plänen und Projekten unterstützen. Auf ein Wiedersehen in Innsbruck 👍👍👍 Das Beste von Herzen, Gabriel

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